Einmal Nordsee und zurück
Umweltschützer haben in der Wetterau 8000 junge Meerforellen ausgewildert. Sie sollen über Main und Rhein bis nach Norwegen schwimmen.
Von Bruno Rieb / Frankfurter Rundschau
Wenn alles klappt, werden diese Meerforellen über die Nidda in den Main und von dort in den Rhein ziehen. Dann geht es weiter bis ins Meer. Nach einer ausgedehnten Runde bis nach Norwegen kehren die Tiere zu den Ausgangspunkten ihrer Wanderung, den Bächen im Taunus, zurück und laichen dort.
Wenn die Wiederansiedlung gelingt, ist das für Lehr ein weiterer Beleg, dass die Renaturierung der Nidda gelungen ist. An ihr arbeitet der 53-jährige Gewässerökologe seit 20 Jahren.
Rückkehr nach fünf Jahren
Für das Meerforellen-Projekt hat er breite Unterstützung gefunden. Hassia-Mineralquellen und die Städte Bad Vilbel und Frankfurt beauftragten den Gutachter Jörg Schneider. Der fand heraus, dass Usa, Erlenbach und Urselbach die geeigneten Laichgewässer für die Meerforelle sind. Renaturierte Teile der Nidda wie das Niddaknie seien als Lebensraum ebenfalls bestens für diese Fischart geeignet. Der Wetteraukreis stellte 20.000 Euro für den Fischbesatz bereit, das Land Hessen Geld für ökologische Begleituntersuchungen in Aussicht.
Damit die Forellen in fünf bis acht Jahren aus dem Meer in die Nidda zurückkehren können, gibt es noch viel zu tun. Einige Wehre in Main und Nidda versperren den Tieren den Weg. Bis sie fischfreundlich umgebaut sind, sollen sie zur Wanderzeit abgesenkt werden. An der Schleuse Kostheim wird ein Fischweg gebaut, ein weiterer soll an der Schleuse Eddersheim entstehen.
Die Meerforellen, die Anfang Oktober 2009 in die Usa gesetzt wurden, stammen aus der Haspertalsperre in Nordrhein-Westfalen. Sie wurden markiert, indem ihnen eine Ecke der funktionslosen Fettflosse abgeschnitten wurde.
Lachse und Forellen
Die Meerforelle ähnelt in Aussehen und Lebensweise stark dem atlantischen Lachs. Sie wird bis zu einem Meter lang.
Der Besatz der Nidda mit dem Fisch ist ein Projekt der IG Nidda, der Notgemeinschaft Usa, des Fischereiverbandes NRW und der Arge Lachs und Meerforelle NRW.
Die Forellen stammen aus der Wupper und wurden vom Bergischen Fischerei-Verein zur Verfügung gestellt. Ihre Gesundheit wurde vom Fischgesundheitsdienst NRW geprüft. (ieb)
Die Meerforelle soll bis zum Mittelalter in der Nidda gelebt haben. Direkte Nachweise gebe es nicht, räumt Lehr ein. Dafür spreche aber, dass die Meerforelle in ähnlich Flüssen heimisch war. Die Forellenart verbringt – wie der Lachs – ihre Jugend im Süßwasser und wandert nach zwei Jahren ins Meer. Die Fische schwimmen bis in Küstengewässer des Nordatlantik.