Bildkategorie: Fische
Nasen beweiden einen algenbesetzten Stein.
nasebn beweiden einen algenbesetzten Stein. copyright by Gottfried Lehr

Die Nase zeigt sich wieder!

Nachhaltiger Erfolg der Projekte zur Wiederansiedlung der Nase in der Nidda festgestellt

Die Nase ist ein Fisch, dessen Namen man niemandem erklären muss. Es genügt, den Fisch einmal anzusehen. Die Nase war einst ein regelmäßig vorkommender Nidda­Fisch. Wegen der Kanalisierung, Verschmutzung und Aufstauung der Nidda war diese Weißfischart ausgestorben.

Auf Initiative der IG Nidda wurde von den Nidda­Angelvereinen mit Geldspenden der Hassia und Luisen GmbH aus Bad Vilbel wurden 1991 die ersten vierhundert Kilogramm laichfähige Nasen in der Nidda ausgesetzt. In den Folgejahren werden 250.000 Nasenbrütlinge, also gerade geschlüpfte Nasen, und 40.000 ein Jahr alte Jungfische ausgesetzt. Dies wurde zusätzlich von der Naturschutzbehörde des Wetteraukreises sowie der Oberen Fischereibehörde finanziert. Als 1995 der Erlenbach renaturiert wurde, nutzten die Nasen diesen Seitenzufluss der Nidda schnell als Laichgewässer. Dennoch blieb die Nase ein seltener Fisch in der Nidda.

Als Problem erwies sich, dass die Nasen als „Mitteldistanzwanderer“ zwischen dem Main und der Nidda „hin und herpendeln“. Durch die Aufstauung der Nidda im Frankfurter Stadtgebie war das aber nur in eine Richtung möglich, nämlich stromab. So konnten die Nasen im Frühjahr ihre Laichplätze nicht erreichen. Erst ein anderes Projekt der IG Nidda, erneut finanziert von der Unteren Naturschutzbehörde des Wetteraukreises, der Hassia, den Städten Frankfurt und Bad Vilbel sowie dem Land Hessen brachte den entscheidenden Durchbruch.

Seit 2009 werden im Nidda System junge Meerforellen ausgesetzt, die nach ein bis zwei Jahren im Süßwasser ins Meer abwandern. Auch diese Fische wandern, allerdings bis in den Atlantik. Nach drei bis vier Jahren kommen sie dann von der Nordsee über den Rhein und den Main in die Nidda und deren Zuflüsse zurück. Jedenfalls dann, wenn sie wandern können. Diese Wanderung ermöglicht das Stadtentwässerungsamt Frankfurt am Main seit zwei Jahren, weil es die Stauwehre im Stadtgebiet im Frühjahr und im Herbst nacheinander absenkt, um den Wanderfischarten Meerforelle, Barbe und Nase den Weg flussaufwärts aus dem Main zu den Laichgründen in der Nidda oberhalb von Frankfurt zu ermöglichen.

Diese Maßnahme brachte offenbar den Durchbruch für die Nasen und weitere Fischarten in der Nidda. Seit dieser Zeit werden zur Laichzeit große Nasen in deutlich größerer Zahl als früher beobachtet. Besonders erfreulich sind die Schwärme junger Nasen, die man jetzt regelmäßig in den renaturierten Flachwasserzonen der Nidda antrifft. Noch besser als die Wehrabsenkung ist natürlich der Umbau der Wehre, wie ihn das Stadtentwässerungsamt bei dem ehemaligen Nidda Wehr in Höchst sehr erfolgreich umgesetzt hat.

Neben dem unschätzbaren Gewinn für den Fischartenreichtum in der Nidda ist hier auch festzustellen, dass die Menschen erleben, dass die Nidda keine Abfolge von Aufstauungen sein muss, sondern ein Fluss, der fließt und dem man beim Fließen zusehen und zuhören kann.

Text: Marco Weller