Bildkategorie: Fische
Die Nidda zwischen Stausee und Schmitten ist Äschenregion.
Die Äsche lebt in der Nidda zwischen Schmitten und Stausee. copyright by Jürgen Adam

Sensibel und gefährdet: die Äsche

ASV Nidda widmet sich seit Jahren der Wiederansiedlung des inzwischen selten gewordenen Fisches

"Gibt es denn hier Fische?" Diese Frage hören die Fischer des Angelsportvereins Nidda und Umgebung häufig von Passanten, wenn sie ihrer Passion nachgehen. Die Antwort kann nur lauten: "Und ob!" Denn die Nidda ist ein artenreicher Mittelgebirgsfluss, der einer Vielzahl interessanter Fischarten Heimat bietet.

Die Lebensräume der Bachforelle und der Äsche überschneiden sich: Beide lieben sauerstoffreiches, kühles Wasser, doch bevorzugt die Äsche eine geringere Strömung. Deshalb finden wir sie zumeist erst unterhalb von Eichelsdorf und bis in die Kernstadt von Nidda hinein. Oft stehen kleinere Schwärme von Äschen über kiesigen Grund beisammen und machen Jagd auf Kleininsekten.

Die Äsche ist ein schlanker,fast zierlicher Fisch mit mittelgroßen Schuppen auf silbergrauem bis graugrünem Grund. Das auffallend kleine Maul ist perfekt geeignet, umim Gewässergrund nach Eintags- und Köcherfliegenlarven, Würmern und Schnecken zu suchen. Charakteristischist die hohe, langgestreckte Rückenflosse: Sie ist graugrün mit schwarzen Tupfen und einer rotbraunen Färbung am Rand. Äschen werden in unseren Gewässern etwa 40 Zentimeter groß, selten werden es 50 Zentimeter.

Einst war die Äsche in Deutschland so zahlreich, dass man die von ihr bewohnten Wasserabschnitte als Äschenregion bezeichnete. Doch leider sind die Bestände mittlerweile stark gefährdet, gehört die Äsche doch zu den ersten Fischarten, die sich von minderer Wasserqualität vertreiben lässt. Zusätzlich verhindern Querverbauungen das Aufsteigen der laichbereiten Äschen in Gebiete mit geeigneten Kiesbänken.

Und in den letzten Jahren kam der in unseren Breiten ursprünglich nicht heimische Kormoran als zusätzliche Bedrohung hinzu. Äschen haben - anders als etwa Bachforellen - die Eigenart, sich bei Gefahr dicht zusammenzudrängen. Damit werden sie für jagende Kormorane zu einer leichten Beute. So wundert es nicht, das ab den 1980er Jahren immer weniger Äschen die Nidda besiedelten, bis schließlich nur noch vereinzelte Exemplare gefangen (und wieder zurück gesetzt) wurden.

Um dieser Verarmung des Flusses entgegen zu wirken, betreibt der ASV Nidda seit einigen Jahren ein Wiederansiedlungsprogramm. Dieses begann mit einem ursprünglichen Besatz von 1200 Jungäschen, die sich bereits wenige Jahre später natürlich fortpflanzten. In der Laichzeit von März bis Mai kann man nun beobachten wie die Äschenweibchen zwischen 6000 und 10000 Eier bis zu vier Zentimeter tief in das Bodensubstrat überströmter Kiesbänke legen.

Auch wenn dies bereits ein erster Erfolg ist, gilt es, noch viel Arbeit zu leisten. Denn um eine Äschenpopulation nachhaltig aufzubauen, müssen in bestimmten Zyklen immer wieder Jungäschen besetzt werden. Hierdurch wird sichergestellt, dass über die Lebensspanne einer Äsche jeweils jährlich Jungfische hinzukommen, um alle Altersstufen aufzubauen.

Gelegentlich bekommen Fliegenfischer beim Angeln auf Forellen eine Äsche an den Haken. Selbstverständlich ist die Entnahme aus der Nidda verboten und der Fisch muss schonend wieder zurückgesetzt werden.

Eine schöne Anerkennung der Arbeit ist natürlich die Verleihung des Wetterauer Umweltpreises an den ASV Nidda im Jahr 2009. Auch hat die Wahl der Äsche zum "Fisch des Jahres 2011" durch den Verband deutscher Sportfischer einiges zur Popularität dieses Fisches beigetragen.

Sollte die Wiederansiedlung der Äsche in der Nidda dauerhaft gelingen, hätte nicht nur die Äschenregion in der Nidda ihren Namen wieder verdient, sondern man hätte einer europaeit bedrohten Tierart bei ihrem Überlebenskampf in den vom Menschen negativ veränderten Gewässern geholfen.

Text: Ernst von Voigt