Bildkategorie: Probleme
Vogelschutz kontra Schutz der aquatischen Fauna.
Kormoran verschlingt Schleie. copyright by Jürgen Lungwitz

Mit gemischten Gefühlen stehen viele Angler dem Kormoran gegenüber

Die Gründe sind komplex und haben in der Vergangenheit häufig zu heftig geführten Streitgesprächen zwischen Vogelschützern einerseits, und den Betreibern fischereiwirtschaftlicher Erwerbsbetriebe und Angelfischern andererseits, geführt. Dabei sollte nicht verschwiegen werden, daß beide Lager in ihrer Argumentation auch vor Täuschungen, Provokationen und Überzeichnungen nicht zurückschreckten. Die Standpunkte verhärteten sich.

Der Kormoran ernährt sich von Fischen. Deshalb wurde er gnadenlos verfolgt, was dazu führte, das Anfangs des 20sten Jahrhunderts das Deutsche Binnenland als kormoranfrei anzusehen war. Erste Kormoran-Bestände wurden etwa Mitte des Jahrhunderts wieder registriert. In den 80er Jahren wuchsen die Bestandszahlen rapide und führten dazu, das der Vogel über seinen ursprünglichen Verbreitungsraum großer Flüsse und Seen im Binnenland, nun auch den Flüssen und Bächen hinauf, bis in die Äschenregion hinein, anzutreffen ist.

Der Erfolg seiner opportunistischen Jagdweise - er nimmt die Fische, die am leichtesten verfügbar sind - gerät hier aber sehr zum Nachteil, etwa der sensibelen Äsche. Sie formiert sich bei Gefahr zu Gruppen und wird damit zur leichten Beute der Kormorane. Das Wiederansiedlungsprojekt der Äsche in der oberen Nidda das die Angler des ASV Nidda mit sehr viel Engagement und Einsatz seit Jahren voranzubringen versuchen, gerät so schnell in Gefahr zu scheitern.

Ein weiteres großes Problem bereiten die Querverbauungen, Staustufen und Wehre der Nidda und ihrer Zuflüsse. Wanderfische wie Aal und Meerforelle und Teilzieher, zum Beispiel Barben und Nasen, sammeln sich bei ihren Wanderungen an den unüberwindbaren Hindernissen und werden so zur massenhaften Beute ganzer Kormoran-Trupps, die sich regelmäßig an der reich gedeckten Tafel einfinden und schnell die Bestände so dezimieren, das eine natürliche Reproduktion der Fische kaum noch stattfinden kann.

Die Beseitigung der Querverbauungen, fischgeeignete Umgehungen der Wehre und Wehrlegungen im Stadtgebiet Frankfurt sind ein erster Schritt den Frassdruck zu mindern und den Fischen ihre Laichwanderungen zu ermöglichen. Renaturierungen und Gestaltung naturnaher Gewässer sind ein weiteres wichtiges Element um sowohl dem Kormoran, wie auch den gefährdeten Fischarten ein Überleben zu ermöglichen. Dort, wo es nötig ist, sollte darüber hinaus ein wissenschaftlich fundiertes Kormoran-Management greifen.

Text: Jürgen Adam